wandel gestalten. Das Netzwerk Lucius Burckhardt und der Werkbund
Die Prinzipien der modernen Architektur und Stadtplanung haben sich seit dem Zweiten Weltkrieg in einem solchen Maß durchgesetzt, dass ihre Folgen inzwischen weit über die gebaute Umwelt hinausreichen und zur Destabilisierung des Erd- und Klimasystems beitragen. Planen und Bauen stehen deshalb vor einem tiefgreifenden Wandel. Die Ausstellung „wandel gestalten. Das Netzwerk Lucius Burckhardt und der Werkbund“ nimmt diesen Wandel zum Anlass, historische Erfahrungen mit gegenwärtigen Herausforderungen zu verbinden.
Anlässlich des 50. Jubiläums von Lucius Burckhardts Zeit als erster Vorsitzender des Deutschen Werkbundes richtet die Ausstellung den Blick in zwei Richtungen: auf die Tradition des ökologischen Bauens und der partizipativen Planung seit den 1970er Jahren sowie auf die aktuellen Umbrüche durch die digitale Transformation.
Die Ausstellung wurde von Felix Dölker (Werkbund Hessen) und Alexander Stumm (Werkbund Berlin) kuratiert. Sie entstand in Zusammenarbeit mit Studierenden der Hochschule Darmstadt und der Technischen Hochschule Lübeck und wurde erstmals im Frühjahr 2026 im WerkbundForum des Deutschen Werkbund Hessen in Frankfurt am Main präsentiert.
Ein Netzwerk für eine andere Architektur
Der erste Teil der Ausstellung widmet sich den vielfältigen Ausstellungs-, Veranstaltungs- und Publikationsprojekten des Werkbundes aus den Jahren 1976 bis 1983. In dieser Zeit stand der Werkbund – und mit ihm Lucius Burckhardt als Vorsitzender – für eine grundlegende Kritik an der konventionellen Bauindustrie und an der von oben geplanten, autogerechten Stadt.
An die Stelle hierarchischer und technokratischer Planungsmodelle setzte der Werkbund die Forderung nach neuen partizipativen Strukturen und ökologischen Konzepten. Architektur und Stadtplanung sollten nicht länger ausschließlich von Expertinnen und Experten bestimmt werden, sondern gesellschaftliche, ökologische und kulturelle Zusammenhänge einbeziehen.
Lucius Burckhardt war dabei jedoch keineswegs ein Einzelakteur. Er war vielmehr der zentrale Kopf eines weit größeren Netzwerks, zu dem unter anderem Michael Andritzky, Ot Hoffmann, Rudolf Doernach, Gernot Minke, Walter Segal und Eilfried Huth gehörten. Gemeinsam entwickelten und vertraten sie Positionen, die sich durch eine radikale Offenheit gegenüber anderen Formen des Planens, Bauens und Zusammenlebens auszeichneten.
Ihre Ansätze gewinnen vor dem Hintergrund der heutigen ökologischen und gesellschaftlichen Herausforderungen neue Aktualität. Die Offenheit für alternative Formen der Architektur und Planung kann dabei als Impuls für den gegenwärtigen Wandel des Planen und Bauens verstanden werden.
Mit der Ausstellung soll zugleich ein bislang nur wenig aufgearbeiteter Teil der Werkbund-Geschichte wieder sichtbar und für die Gegenwart zugänglich gemacht werden.
Eine Auswahl der Texte von Lucius Burckhardt finden Sie hier.